Wenn Leistung irritiert
In einer westlichen Welt, die über Jahre Stabilität und Wohlstand organisiert hat, ist Exzellenz zu einem Fremdbegriff geworden. Sie lebt im sozialen Exil.
Durchschnittlichkeit stabilisiert sich selbst. Und sie zieht Unterdurchschnittlichkeit nach sich. Ihre Anhänger profitieren von einem System, das mit moderater Leistung ein auskömmliches Leben ermöglicht.
Die Idee, eigene Talente unter Entbehrung und hohem Einsatz auf ein individuelles Top-Niveau zu führen, ist heute nicht besonders attraktiv. Sie wirkt überzogen, teilweise sogar unsozial.
Exzellenz stört
Nicht, weil sie falsch ist, sondern weil sie Unterschiede sichtbar macht.
Hier stehen wir als Gesellschaft und damit auch als Wirtschaftsstandort.
Mit unendlichem Reichtum wäre das kein Problem. Doch auch Notenpresse und Quantitative Easing verschieben nur den Zeitpunkt eines Realitätskonflikts: sinkende Leistungsfähigkeit bei gleichzeitigem Anspruch auf Wohlstand.
Spitzenleistung ist deshalb nicht verschwunden. Sie hat sich nur zurückgezogen.
Sie existiert weiterhin in Bereichen wie Kunst, Sport oder Wirtschaft.
Sichtbar ist sie dort, wo sie nicht permanent relativiert wird.
In der Breite der Wirtschaft zeigt sich eine andere Logik: Organisationen optimieren auf Stabilität und nicht auf Exzellenz.
Der Fokus auf Absicherung nimmt zu: Prozesse, Gremien, Verantwortlichkeiten und Sprache werden entsprechend ausgerichtet. Vieles davon ist sinnvoll.
In Summe entsteht ein System, das Reibung reduziert.
Die Normalisierung des Mittelmaßes
Exzellenz erzeugt Reibung. Und genau deshalb wird sie reduziert.
Nicht offen, sondern strukturell: durch Prioritäten, durch Bewertungssysteme, durch das, was als „angemessen“ gilt. So verschiebt sich der Maßstab. Nicht abrupt, sondern schrittweise.
Die Förderung von Top-Talenten und der Aufbau echter Fähigkeiten treten in den Hintergrund.
Soziale und mediale Akzeptanz rücken nach vorne.
Das ist kurzfristig stabil, langfristig aber riskant.
In der Folge sinkt die Wettbewerbsfähigkeit. In Deutschland ist diese Entwicklung bereits sichtbar und wird Zeit brauchen, um korrigiert zu werden.
Provokation sticht Inspiration
Mit einer Haltung, die Exzellenz einfordert, wird man nicht automatisch integriert. Im Gegenteil: Man erzeugt Widerstand.
Das ist nachvollziehbar: Exzellenz stellt bestehende Maßstäbe infrage.
Und deshalb zieht sie sich zurück. Aus Organisationen, aus öffentlichen Debatten, aus der Sichtbarkeit.
Sie verliert eine ihrer wichtigsten Funktionen: andere zu inspirieren.
Exzellenz macht einsam. Nicht, weil sie isoliert, sondern weil sie Unterschiede sichtbar macht.
Ich wünschte, es wäre anders.
Es ändert nichts am Befund.



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