„Ich hatte keine Zeit“
Bevor wir in das eigentliche Thema einsteigen, möchte ich mich entschuldigen, dass ich in den vergangenen Monaten keinen Blog veröffentlicht habe. Ich hatte leider keine Zeit.
Wenn ich mich selbst ernst nehme, bedeutet das wohl, dass ich mehrere Monate tot war. Glücklicherweise bin ich rechtzeitig zu Ostern wieder auferstanden und kann nun direkt weiterarbeiten. Die Argumentation hat zumindest kalendarisch eine gewisse Plausibilität.
Sollte ich allerdings nicht tot gewesen sein, wofür es durchaus Anzeichen gibt, dann bleibt nur eine weniger elegante Erklärung: Ich war beschäftigt. Mit anderen Dingen. Dingen, die mir offenbar wichtiger waren.
Die Aussage „Ich hatte keine Zeit“ ist erstaunlich stabil. Sie funktioniert im Beruf wie im Privaten, ist sozial akzeptiert und wird selten ernsthaft hinterfragt. Dabei beschreibt sie etwas sehr Präzises, nur nicht das, was sie vorgibt. Zeit ist kein knappes Gut, das sich auf unterschiedliche Menschen selektiv verteilt. Sie ist konstant. Für alle. 24/7 for everybody.
Was sich unterscheidet, sind Prioritäten und der ehrliche, direkte Umgang damit.
Wer sagt, er hatte keine Zeit, sagt im Grunde: Etwas anderes war ihm wichtiger. Das ist weder falsch noch verwerflich. Entscheidungen verlangen genau das.
Interessant wird es erst dort, wo diese Entscheidungen nicht ausgesprochen werden.
Denn wo Prioritäten nicht benannt sind, entstehen Annahmen. Und Annahmen führen zuverlässig zu beliebigen Ergebnissen. Ex falso sequitur quodlibet. Im Business Kontext ist das unakzeptabel risikoreich. Privat kann das jeder für sich selbst entscheiden.
In der Praxis begegnet mir das Argument regelmäßig. Ich muss dann gelegentlich schmunzeln und frage: „Wo war sie denn?“
Die Antwort bleibt meist aus. Vielleicht, weil die eigentliche Frage eine andere ist.
Mir erschließt sich bis heute nicht, wie man Zeit managen soll. Sie entzieht sich meinem Einfluss vollständig. Selbst für eine messbare Krümmung reicht meine Gravitation trotz moderater Gewichtszunahme im Alter nicht aus.
Was wir managen, ist nicht Zeit.
Was wir managen, sind Entscheidungen.
Top Performer denken nicht in Zeit für Aufgaben. Sie denken in Wirkung ihrer Entscheidungen in der Zeit. Und sie streben nicht nach der Erstellung und Verwaltung von Plänen, sondern nach der Erreichung von Zielen.
Oder anders:
Zeit ist nicht das Problem.
Unklare Prioritäten und unklare Kommunikation sind es.
Ich bin jedenfalls froh, mir wieder Zeit genommen zu haben, diesen Text zu schreiben und dankbar, dass ich überhaupt Lebenszeit habe. Carpe diem.



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